Arbeitstagung der Frauenbeauftragten

 

 

Arbeitstagung zu den Themen: "Hospizarbeit für Gehörlose" und "Frauenbeauftragte – für was?"

 

Die Landes- und Bezirksfrauenbeauftragten in Bayern hatten nach Nürnberg eingeladen…

 

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Am Samstag, den 01.04.2006 fand die o.g. Arbeitstagung im Gehörlosenzentrum Nürnberg-Eibach statt. Die Landesfrauenbeauftragte Carmen Geyer und ihre Stellvertreterin Sigrid Gast hießen fünfundvierzig hörgeschädigte Frauen von Nah und Fern herzlich willkommen. Frau Geyer begrüßte die gehörlose Hospizhelferin Doris Ehrenreich ganz herzlich. Frau Ehrenreich begann mit dem Vortrag „Hospizhelfer für Gehörlose“, in dem sie die Hospizidee, die Hospizbewegung und die Grundprinzipien der Hospize erläuterte. Später berichtete sie über ihre gesammelten Erfahrungen als Hospizhelferin für Gehörlose.


Gruppenfoto mit allen Teilnehmerinnen aus Bayern. Links Landesfrauenbeauftragte Carmen Geyer und Stellvertreterin Sigrid Gast

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Hospizarbeit für Gehörlose

 

Hospiz bedeutet Herberge, Unterkunft und Gastfreundschaft. Es ist ein Ort der Hospitalität, d.h. ein Ort der Gastfreundschaft und Zuneigung. Die ersten Hospize entstanden im 18. Jahrhundert in Dublin (Irland) und in Lyon (Frankreich) und verbreiteten sich weiter in andere europäische Länder. Frau Doktor Cicely Saunders gründete im Jahr 1967 das erste stationäre Hospiz „St. Christophers Hospice“ in London. Dr. Saunders beschreibt es so: „Dies ist ein Ort der Begegnung für Körper und Seele. Die Sterbenden und Schwerstkranken brauchen Unterstützung und die Geborgenheit der Gemeinschaft“. Die Sterbenden haben mehr Lebensqualität im Hospiz, nach dem Motto: so wenig Medizin wie möglich, aber doch so viel wie nötig. Der Hospizgedanke verpflichtet sich den Menschen gegenüber, die an einer unheilbaren Erkrankung leiden, die zum Tod führen wird und eine lebenserhaltende Therapie nicht möglich ist bzw. vom Patienten nicht mehr gewünscht wird. Die Sterbebegleitung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Hospiz. Sterbebegleitung heißt, Sterbende und ihre Angehörigen zu unterstützen und ihnen beizustehen. Sie sind auf diesem Teil ihres Lebensweges nicht allein. Die Schwerstkranken sollen möglichst beschwerdefrei bis zuletzt leben können, umsorgt von Familie, Freunden, Betreuern und Ärzten. Zum Wohle von Schwerstkranken und deren Angehörigen arbeiten Ärzte, Schwester, Pfleger, Seelsorger, Therapeuten und ehrenamtliche Hospizhelfer als interdisziplinäres Team (alle ziehen an einem Strang) zusammen. Sterben ist ein Teil des Lebens. Es soll weder verkürzt noch verlängert werden. Aktive Sterbehilfe (Euthanasie) ist im Hospiz ausgeschlossen. Bei Bedarf und auf Wunsch werden die Hinterbliebenen auch nach dem Tod ihres Angehörigen begleitet. Die Kranken werden zu jeder Zeit als Person ernst genommen und geachtet. Dazu gehört u.a. liebevoll begleitet zu werden, soziale Kontakte zu haben, mit eigenen Bedürfnissen geachtet zu werden. Hospiz ist für alle Menschen da, egal welcher Konfession oder welchem Weltbild sie angehören. Die Hospizmitarbeiter sind den christlichen Grundwerten verpflichtet, nach dem Gebot: „Du sollst nicht töten!“. Die Hospiz-Bewegung besteht aus drei Teilen: ambulant arbeitendes Team (Hausbesuche, Trauerbegleitung von Angehörigen), Begleitung auf der Palliativstation (stationäre Hospiz) oder als Beratung der Angehörigen, wie man z.B. einen Schwerkranken zu Hause pflegen kann.

Die Nöte und Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen stehen im Mittelpunkt der Hospiz-Bewegung. Der Patient wird zu jeder Zeit als vollwertiger Mensch geachtet. Trotz des nahenden Lebensendes kann der Patient seine individuellen Interessen verfolgen und Anteil am täglichen Leben haben. Die Hospizhelfer unterstützen bei Schwierigkeiten, z.B. bei Ehe- und Partnerschaftsproblemen, Verständigung und Versöhnung in der Familie, Finanzen, Regelung sonstiger persönlicher Angelegenheiten. Auch bei Fragen nach Glauben und Sinn des eigenen Lebens sollte der Schwerkranke Verständnis, Hilfsbereitschaft durch Freunde oder Seelsorger finden. Ferner soll es auch möglich sein, in seiner eigenen vertrauten Umgebung leben zu können. Die Familie und Angehörige haben ständig Zugang zum Schwerkranken und werden in die Pflege und Betreuung mit einbezogen. Im stationären Hospiz wird die Heimbringung angestrebt, eine Rückkehr ist allerdings möglich. Die Betreuung und Begleitung zu Hause geht nach einem stationären Aufenthalt ambulant weiter. Des weiteren schließt der Hospiz-Dienst die Begleitung der Angehörigen und Hinterbliebenen über den Tod hinaus mit ein. Aufnahme in die Hospiz-Betreuung finden Menschen mit unheilbaren Krankheiten, z.B. Krebs mit Metastasen, AIDS, Erkrankungen des Nervensystems mit Lähmungen und auch nur noch eine geringe Lebenserwartung haben.

Ein Hospizhaus will keine „Sterbeklinik“ sein, in der Menschen abgeschoben werden. Das Ziel ist ein würdevolles Leben der schwerkranken Menschen im Kreise ihrer Familien bis zum Tod. Es gibt Situationen, dass die Angehörigen den Sterbenden nicht selbst pflegen können. Dafür ist stationäre Hospiz (Palliativstation) da. Das Haus ist hell und freundlich eingerichtet. Angehörige werden im Tagesablauf voll mit einbezogen, z.B. bekommen sie ein Zusatzbett. Es wird hochwertige Pflege angewendet. Der Hausbetreuungsdienst wird auch von den ehrenamtlichen Helfern verrichtet. Er ist kostenlos und es versteht sich nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Sozialstationen. Der Hospizhelfer will und kann keine pflegerischen Aufgaben übernehmen. Sie sitzen einige Stunden am Bett, spenden Trost, erzählen Geschichten oder gehen einkaufen. Die Angehörigen werden von den Hospizhelfern mobilisiert. Sie übernehmen auch Nachtwache. Wichtig ist, dass die Wünsche und Bedürfnisse des Schwerkranken beachtet werden.

Die Bedürfnisse lassen sich in vier Bereiche aufteilen:

a) Sozialer Bereich: Wünsche äußern, z.B. ich will zu Hause in Ruhe sterben. Oder ich möchte nicht verbrannt werden, Abbau von Angst vor dem Tod,

b) Körperlicher Bereich: Anregung der Sinne, Angst vor Schmerzen nehmen, gute Pflege,

c) Psychischer Bereich: den eigenen Tod zu akzeptieren,

d) Wertvorstellung: die Frage nach den Sinn des Lebens kommt bei den Schwerkranken meist vor.

Sie fragen, wozu das Leben sinnvoll ist. Das Positive im Leben ist zu erwähnen. Das Motto lautet, nicht zum sozialen Tod kommen zu lassen.

Der Hospizhelfer gehört zum interdisziplinären Team. Der Patient und die Angehörigen sehen in ihm einen Wegbegleiter. Hospizhelfer zu sein ist kein Beruf, sondern eine ehrenamtliche Aufgabe. Die Helfer werden geschult und fortgebildet. Die Tätigkeit eines Hospizhelfers wird an einem Vorbereitungsseminar vermittelt. Doris Ehrenreich berichtete, dass in Würzburg sechs gehörlose Frauen im Fach Hospiz geschult wurden. Somit konnten sie das Wissen aneignen und sind ehrenamtlich für die gehörlosen Menschen tätig. Für ihren ausführlichen Vortrag bekam Doris Ehrenreich viel Applaus und ein Geschenk. Sie verteilte die Faltblätter „Hospizgruppe Gehörlose“.


Landesfrauenbeauftragte Carmen Geyer überreicht der Referentin Doris Ehrenreich ein Geschenk für Ihren Vortrag

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Frauenbeauftragte – für was?

 

Nach der Mittagpause ging es mit dem Thema „Frauenarbeit“ im Landesverband weiter. Sigrid Gast, stellvertretende Landesfrauenbeauftragte, schilderte uns die Geschichte der Frauenbewegung für Hörende und für Gehörlose damals und heute. Sie machte aufmerksam, dass die gehörlosen Frauen ein wichtiges Glied im Vereinsleben darstellen. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, im Vorstand eines Gehörlosenvereins mitarbeiten zu dürfen. Um dies möglich zu machen, ist es wichtig, dass die Frauen im Vorfeld sich viel Wissen aneignen. Die Landes- und Bezirksfrauenbeauftragte geben den Frauen in vielen Bereichen Informationen, um die Wissensbildung zu erweitern.

Auf die Frage: „Frauenbeauftragte - für was?“ erklärte Sigrid Gast die Notwendigkeit einer Frauenbeauftragten. Diese ist die Leiterin der Frauengruppe. Der Landesverband Bayern hat seit 1998 eine Landesfrauenbeauftragte und Stellvertreterin.

Die Arbeitstagung für Frauenbeauftragte, wobei auch interessierte Frauen anwesend waren, diente dazu, über die Probleme der Vereinsfrauenbeauftragten zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen.

Wir haben im Landesverband Bayern neben den Landes- und Bezirksfrauenbeauftragten und Stellvertreterin viele Vereinsfrauenbeauftragte, die sich um die weiblichen Mitglieder kümmern. Neben Bastel- und Kartenspiele- Abenden, sowie Unterhaltungsabenden, bekommen die Frauen auch verschiedene Informationen, die für die Allgemeinbildung wichtig sind. Erfahrungsaustausch und Vorträge, die im Verein oder bei Seminaren für Frauen abgehalten werden, sind immer interessant. Sigrid Gast betonte, dass so manche Frau durch den Dialog mit anderen Frauen selbstbewusster und selbstsicherer werden konnte. Das Selbstbewusstsein der hörgeschädigten Frauen zu stärken, in der Gesellschaft sicherer aufzutreten ist besonders wichtig. Die Vereinsfrauenbeauftragten erhalten finanzielle Unterstützung vom Vereinsvorstand, sodass sie auf Einladung zu den Seminaren fahren können. Bei den Seminaren gibt es spezielle Themen für Frauen, die sie interessieren.

Die Männer sollten lernen, zu akzeptieren, dass ihre Frauen selbstbewusster und selbstsicherer geworden sind. Dies gilt auch für die Männer im Vereins und Bezirksvorstand.

Die anwesenden Frauen stellten Fragen. Frau Gast gab präzise Antworten. Ferner machte sie klar, dass die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Baustein in der Vorstandsarbeit ist. Des Weiteren informierte Sigrid Gast Verschiedenes, die für die Gehörlosen und Hörgeschädigten wichtig sind.

Sie verteilte von ihr entworfene Faltblätter „Gehörlose und hörgeschädigte Frauen in Bayern“. Zum Abschluss der Tagung gegen 16:30 Uhr versammelten sich die Frauen zu einem Gruppenfoto. Anschließend traten alle Frauen die Heimreise an.


Gruppenfoto mit den Teilnehmerinnen aus Oberbayern

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Christine Spörlein

 

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April 2006 / siga