Im zweiten Jahr der Gesundheitsreform
Aufklärung über die Vogelgrippe

 

7. Bezirksfrauentag Oberbayern am 22.10.2005 in München

 

Die Bezirksfrauenbeauftragte Sigrid Gast begrüßte die 30 anwesenden Frauen aus 8 Gehörlosenvereinen in Oberbayern und den stellvertretenden Bezirksvorsitzenden des Bezirksverbandes der Hörgeschädigten Oberbayern e.V. Richard Semeniuk, sowie ihre Stellvertreterin Rita Karasz. Frau Gast freute sich dass viele Frauen aus Oberbayern den Weg nach München gefunden haben. Interessante Informationen stehen auf der Tagesordnung.

Des Weitern wurde der Referent von der AOK Bayern, Direktion München Herr Walter Kett herzlich begrüßt. Ebenso die Gehörlosendolmetscherin Monika Hellwig aus Ingolstadt.

Nach der Bekanntgabe des Tagesablaufes, konnte Herr Kett mit dem Vortrag beginnen. Er bedankte sich für die Einladung, stellte sich kurz vor und teilte mit, dass die Frauen dazwischen Fragen stellen können.

 

 

Herr Kett machte nun einen Rückblick über das Gesundheits-Modernisierungs-Gesetz (GMG), das 2004 von der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt durchgesetzt wurde. Bereits im Jahr 1989 gab es das Gesundheits-Reform-Gesetz (GRG). Die Gründe der Gesundheitsreform entwickelten sich durch die hohen Ausgaben der Krankenkassen im Gegensatz zu weniger Einnahmen durch die vielen arbeitslosen Mitglieder (niedrige Beiträge). Die Löhne vieler Mitglieder sind in den letzten Jahren kaum gestiegen, daher auch weniger Einnahmen für die Krankenkassen. Das Ziel der Gesundheitsreform war und ist, das Beitragsniveau zu halten bzw. zu senken, dabei aber die Patientenversorgung zu verbessern. Dieses Ziel sei nur zu erreichen durch folgende Wege:

- Leistungsstreichung wie: Sterbegeld, Entbindungsgeld, Sehhilfen über 18 Jahre, Künstliche Befruchtung, Sterilisation. Die Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung werden nicht mehr bezahlt, jedoch nur in schwerwiegenden Ausnahmefällen. 

- Zuzahlungen: 10% Zuzahlungen auf alle Leistungen: für Medikamente Mindestbetrag: 5 € Zuzahlung bei einer Belastungsgrenze von max. 2% des Einkommens; Höchstgrenze: 10 € bei einer Belastungsgrenze von max. 1% des Einkommens , 10 € Praxisgebühr pro Quartal (Kinder und Jugendliche frei), 10 € für Krankenhaustag, max. 28 Tage.
-Finanzierung: Mehreinnahmen für die Gesetzlichen Krankenkassen könnten durch eine höhere Tabaksteuer erreicht werden. Ebenso durch die volle Beitragspflicht auf Versorgungsbezüge und alle Arten von Nebenverdienst. Ab 01.Juli 2005 werden Krankengeld und Zahnersatz von den Versicherten allein finanziert.
-Patientensouveränität d.h. jedes Krankenkassenmitglied kann selbst durch Eigenverantwortung dazu beitragen, dass die Kosten für die Gesetzliche Krankenkasse weniger steigen. z.B. Bonusheft (Zahnarzt), Gesundheitskarte, ärztliche Versorgung in einem billigeren EU-Land (vorher von der Krankenkasse genehmigen lassen) und einige mehr.
Chronisch Kranke (Zuckerkranke, Krebspatienten), die am Patientenmodell einmal pro Quartal an der ärztlichen Untersuchung teilnehmen, sind von der Patientengebühr befreit. Sie müssen jedoch die regelmäßige Behandlung einhalten (Arzneimitteltherapie, Psychotherapie).
Bestimmte Kosten in Ausnahmefällen z. B. Krankenfahrt zur ambulanten Behandlung, Hilfsmittel für Schwerbehinderte z.B. Hörgerät, Lichtsignalanlage werden eigentlich abgelehnt, jedoch nur in Einzelfällen genehmigt. 
Mit Telematik (Kunstwort: Telekommunikation + Informatik) wird die neue Gesundheitskarte ab 2006 eingeführt, mit den Daten des Versicherten, Krankenkasse, Angaben zur eigenen Gesundheit (Medikamente, Notfallinformation). Der Versicherte darf entscheiden, in welchem Umfang Daten gespeichert werden und wer darauf zugreifen darf.

 

 

Angebote der AOK:
-spezielles Programm "AOK -Curaplan" für chronisch Kranke. Es fördert die bestmögliche Behandlung, alle beteiligten Stellen sind an der Behandlung zuständig, praktische Angebote und individuelle (spezielle) Hilfen für den Alltag, Wegfall der Praxisgebühr, weitere Programme zu koronarer (kranzförmig) Herzerkrankungen und Brustkrebs.
-Zusatzkrankenversicherungen: diese haben den Vorteil durch besonders günstige Beiträge für z.B. AOK- Versicherte; sind individuell (speziell) durch maßgeschneiderte Tarife; sind zu empfehlen, da sie die AOK- Leistungen sinnvoll ergänzen.
-Bonusprogramm: Durch gesundheitsbewusstes Verhalten z.B. regelmäßige jährliche Kontroll-Untersuchungen beim Hausarzt oder regelmäßige, jährliche Untersuchung beim Zahnarzt (wird in einem Bonusheft vermerkt) bekommt man nach einer 5 jährigen, lückenlosen Bonusheftführung einen höheren Zuschuss von der Krankenkasse für den Zahnersatz. Wenn man einmal im Jahr nicht beim Zahnarzt war, entfällt der Bonus (Zuschuss). Der Patient muss alles alleine bezahlen.
Ab 01.01.2005 werden Zahnersatzkosten als befundbezogene Festzuschüsse ausbezahlt. D.h. die Krankenkassen bezahlen einen Festpreis z.B. bei Amalgamfüllungen. Andere Füllungen müssen selbst bezahlt werden. Ab 01.07.2005 müssen die Versicherten die Zahnersatzausgaben selbst bezahlen. Das Bonusheft bleibt weiterhin gültig.
-Beitragssatz: Ab 01.07.2005 wird der Beitragssatz anders berechnet, der Satz von 14,5 % bleibt aber gleich.
-Integrierte Versorgung: Die Versorgung der Patienten soll durch Zusammenarbeit (Interdisziplinär) der verschiedenen Ärzten, wie Hausarzt, Chirurgen, Orthopäden, usw. verbessert werden.

Ausblick:
Langfristige Umgestaltung des Systems:
- sozialer Ausgleich außerhalb des Systems: d.h. In Zukunft soll jeder Patient bzw. Mitglied außer Kindern, eine Kopfprämie von ca. 170 € zahlen. Den Berufstätigen wird der "Arbeitgeberanteil" ausbezahlt, für Versicherte mit wenig Einkommen wird es steuerfinanzierte Zuschüsse geben.
- sozialer Ausgleich bleibt im System: die Bürgerversicherung soll eingeführt werden, in die auch Selbstständige, Beamte und Höherverdienende einzahlen sollen. Die Beiträge bleiben einkommensabhängig und müssen von allen Einkommen, auch Nebenverdiensten, einbezahlt werden. Die Beitragsbemessungsgrenze wird angehoben (erhöht), die Parität (Gleichstellung) bei Lohn und Gehalt bleibt dadurch erhalten.

Nach dem Vortrag von Herrn Kett stellten die Frauen Fragen, die sogleich beantwortet wurden. Beiliegendes Infomaterial konnten von den Frauen mitgenommen werden.

Die Bezirksfrauenbeauftragte Sigrid Gast dankte Herrn Kett für den sehr interessanten Vortrag, der sich etwas hinausgezogen hatte. Der Vortrag für uns war kostenlos und die Dolmetscherkosten wurden von der AOK voll übernommen. Hierfür gab es großen Applaus. Zum Dank bekam Herr Kett ein Präsent mit edlem Wein.

 

 

Nach der Mittagspause hielt Sigrid Gast einen Vortrag über das gerade hochaktuelle Thema: Die Vogelgrippe.
Sie sagte gleich am Anfang, dass sie die Information zu diesem Vortrag aus verschiedenen Quellen (Zeitung, Internet) entnommen hat. Als erstes wurde der Unterschied zwischen Epidemie und Pandemie erklärt. Epidemie ist eine örtlich begrenzte, ansteckende Krankheits-Seuche. Pandemie ist ein länderübergreifender, weltweiter Ausbruch einer Krankheit. Pandemien hat es früher schon öfters gegeben. Die heutige Pandemie kommt durch die Vogelgrippe. Diese kommt aus den asiatischen Ländern, vor allem aus Vietnam, Hongkong, China, Thailand, Japan. 1997 wurde der erste Fall bekannt. 
Vogelgrippe - was ist das? Es ist eine Grippeerkrankung bei Geflügel (Hühner, Enten, Gänsen, Tauben) durch ein Virus. Es ist sehr ansteckend von Geflügel zu Geflügel. Das Virus hat den Namen H5N1 = Vogelgrippevirus.

Woher kommt das Virus? In Südost Asien gibt es viele Geflügelfarmen, hier ist die Ansteckung durch das Virus sehr groß. Geflügel werden gezüchtet, aufgezogen und am Geflügelmarkt verkauft. Hygiene ist nicht vorhanden. Es liegt viel Schmutz durch Kot, Federn, Blut auf den Straßen und in den Käfigen. Mit dem Geflügel werden auch andere Tiere wie Schweine, Hunde, Katzen verkauft, diese können auch angesteckt werden. Man kann mit dem bloßen Auge nicht erkennen, ob kranke Tiere dabei sind. Auch arme Bauern, die im Haus auf engem Raum mit den Tieren und Geflügel zusammen leben, können sich mit dem gefährlichen Virus anstecken. Das geht nur, wenn ein Mensch eine normale Grippe hat und die Vogelgrippe auf den kranken Menschen überspringt.
Dann werden die Influenza-Viren (menschliche Viren) mit den Vogelgrippe-Viren in der Erbsubstanz vermischt und es entsteht durch die Mutation (Veränderung) ein Supervirus - H5N1, das für Menschen sehr gefährlich ist. Auch Zugvögel und Wildvögel können angesteckt werden. Es sind schon Fälle bekannt geworden, dass man verendete (gestorbene) Tiere gefunden hatte. Das Virus ist deshalb so gefährlich, weil es sich ständig verändert. Die Forscher können noch kein sicheres Mittel dagegen entwickeln. Die Übertragungswege der Vogelgrippe sind: die Luft, Berührung, Trinkwasser, Kot, Eier, Fleisch, Blut, Federn.

 

 

Es wurden in den asiatischen Ländern bereits viele Menschen angesteckt, die dann gestorben sind. Die Ansteckung von Mensch zu Mensch ist noch nicht bewiesen. Nur von Tier zu Mensch.
Durch die Zugvögel konnte die Vogelgrippe in andere Länder übertragen werden. Aber auch durch den Import von Zuchtvögel. Über Kasachstan, Mongolei, Russland kam die Krankheit schon nach Europa. Einige Fälle wurden schon bekannt. Die Seuche konnte in Asien durch Verbrennung der verendeten Tiere, sowie durch die Desinfektion der Menschen etwas gestoppt werden. Dennoch ist die Gefahr der Ansteckung noch da. In Europa ist bessere Hygiene vorhanden und die Geflügeltiere stehen unter Schutz (Stall), damit sie nicht durch momentane Zugvögel angesteckt werden.
Frau Gast schloss den Vortrag mit den Worten: Wir brauchen keine Angst und Panik zu haben, jedoch sollten wir wachsam sein und aufpassen. Aber auch im Fernsehen die Nachrichten verfolgen.
Am besten ist es, sich bald gegen die normale Grippe impfen zu lassen, denn diese ist auch nicht harmlos. An der normalen menschlichen Grippe sind auch schon Menschen gestorben, die ein schwaches Immunsystem hatten, vor allem Alte und Kinder.

Nun gab es Kaffeepause, auf die alle schon lange warteten. Sieben Kuchen wurden gespendet. So konnte man sich etwas entspannen, nach dem vielleicht anstrengenden Vortrag.

 

 

Anschließend wurden von Frau Gast noch einige Informationen bekannt gegeben. Sie wollte wissen, ob das "Infoblatt für Frauen", das sie alle drei Monate herausgibt, bei den Frauen noch interessant und ob es gut zu verstehen ist. Alle wollten das Infoblatt weiterhin haben. Jedoch bekommen nicht alle dieses Blatt. Frau Gast wird dies an den Vorstand schicken mit der Bitte um Weiterleitung der Kopien an die Frauen im Verein.

Termine: Nächstes Jahr steht eine Feier bevor: Die Frauenvertretung wird 10 Jahre alt. Als Termin einigte man sich auf den 21. Oktober 2006 in München. Lokal wird noch bekannt gegeben. An diesem Tag ist 8.Bezirksfrauentag mit Wahl, die am Vormittag stattfinden wird. Alle Frauen sind jetzt schon herzlich eingeladen, an der Feier teilzunehmen.
Im Februar soll wieder ein Seminar für Frauen angeboten. Termin 26.Februar oder 4. März `06. Da der 26.Februar auf den Faschingssamstag fällt, wäre der 04.März wohl besser. 
Die Arbeitstagung der Landes-, Bezirks- und Vereinsfrauenbeauftragten findet am 01. April ´06 in Nürnberg statt. Kein Aprilscherz! Alle Vereinsfrauenbeauftragte und Stellvertreterin, sowie an der Frauenarbeit interessierten Frauen sind herzlich willkommen.

Nun schloss Frau Gast den Bezirksfrauentag mit dem Dank für das Kommen und für die Aufmerksamkeit. Den Frauen, die Kuchen gespendet haben wurde herzlich gedankt. Sie hofft, dass im nächsten Jahr viele Frauen mitmachen und wünschte eine gute Heimfahrt.

 

Bericht von Hilde Richter und Sigrid Gast / November 2005